Warum sind die Saatkörner rot?

Moin moin liebe Leute,

die Frühjahrsbestellung (ein anderer Ausdruck für Aussaat) ist jetzt abgeschlossen. Wir haben auf unserem Betrieb Mais und Zuckerrüben gelegt. Mittlerweile gucken die Pflanzen auch schon aus dem Boden und sind fleißig am Wachsen. Zeit sich mal etwas zurückzulehnen und eine Frage zu beantworten, die mir doch häufiger gestellt wurde. Bei einem Blick in die Saattüten ist vielen aufgefallen, dass die Körner nicht die übliche Farbe haben.

„ Mais ist doch eigentlich Gelb“oder „Die Rübensamen sehen aus wie kleine Bonbons“, waren die Aussagen, die ich häufig hörte. Auch im Herbst gab es schon Fragen wie: „Gibt es auch roten Weizen?“, oder „Ist Raps nicht schwarz?“ Das habe ich einfach zum Anlass genommen und meinen ersten Blogeintrag geschrieben.

chemisch gebeiztes Weizensaatgut

Die Färbung kommt von der sogenannten Beize. Das bedeutet, dass die Körner mit einem Pflanzenschutzmittel behandelt worden sind. Im Boden und auf den Körnern lauern Krankheitserreger (Pilze, Bakterien, Vieren) und Schadinsekten, die darauf warten, dass die Saat zu wachsen anfängt und sie die jungen Pflanzen befallen können. Die Beize dient also zum Schutz vor diesen Erregern. In den meisten Fällen handelt es sich um einen (Achtung Fachwort!!) systemischen Wirkstoff. Heißt im Klartext: Der Wirkstoff wird über die Wurzeln aufgenommen und über den Saftstrom (wenn man so möchte der pflanzliche Blutkreislauf ) in der Pflanze verteilt.

Ich setze die chemische Beize ein, da es in meinen Augen die effektivste Form des Pflanzenschutzes ist. Das Mittel kommt genau dahin wo es gebraucht wird und so können wir mit deutlich weniger Wirkstoff auskommen, als würden wir diesen mit der Spritze ausbringen. Aktuell brauchen wir diese Produkte um unsere Erträge abzusichern und hochwertige Nahrungsmittel zu produzieren.

Trotzdem weiß ich, dass ich da ein chemisches Produkt verwende, das sonst in der Natur nicht vorkommt. Außerdem ist mir auch bewusst, dass diese Wirkstoffe in irgendeiner Art und Weise einen Einfluss auf die Umwelt haben. (Ich mach das Fass jetzt aber nicht weiter auf!!!)

Aber genau aus diesem Grund bin ich immer wieder auf der Suche nach anderen Wegen.

Seit letztem Herbst setze ich versuchsweise elektronengebeiztes Saatgut ein (Was ist das denn nun wieder!?). Kurz, knapp und einfach: Das Saatgut wird mit Elektronen beschossen und dadurch werden die Krankheitserreger, die auf dem Korn sitzen, abgetötet. Das Korn ist also sauber. Aber wir haben ja noch den Krankheitsdruck aus dem Boden. Um davor noch einen zusätzlichen Schutz zu bieten, habe ich eine Schicht aus Mikroorganismen um das Korn gelegt. Dadurch möchte ich eine Art Verdrängungseffekt erzeugen („Die Guten verdrängen die Bösen“) und die Jugendentwicklung der Pflanze fördern.

Maissaatgut. Elektronenbeize+ Mikroorganismenbeize

Die ersten kleinen Versuche mit dieser Art des Pflanzenschutzes waren vielversprechend. Nun bin ich auf den größer angelegten Versuch gespannt und werde euch darüber auf dem Laufenden halten.

Schöne Grüße Euer Ackerbauer Phillip Krainbring