Die Bauernmilliarde – Ein Kommunikationsdesaster

Moin Leute,

viele von euch haben in den Medien vielleicht den Ausdruck „Bauernmilliarde“ (ein ganz fürchterliches Wort) gehört. Zwar ist das ganze jetzt schon vier Wochen her, aber in den letzten Tagen ist deutlich geworden, dass gerade die CDU die Reaktionen von uns Landwirten auf diese Milliarde immer noch nicht verstanden hat.

Was genau ist passiert?

Am 30. Januar hat der Koalitionsausschuss von CDU/CSU und SPD stolz die Bauernmilliarde verkündet. (Artikel Bauernmilliarde) Wahrscheinlich war die Hoffnung groß, dass wir Landwirte jubeln und applaudieren würden. Schließlich waren die Landwirte ja in den vergangenen Monaten immer wieder auf der Straße, um deutlich zu machen, dass sie sich von der aktuellen Landwirtschaftspolitik in die Enge gedrängt fühlen. Doch es gab keinen Applaus, keinen Jubel und keine Freude. Ganz im Gegenteil. Viele haben sehr stark deutlich gemacht, dass dieses Geld so nicht gewollt war und es wurde öffentlich abgelehnt. … kam auch der Verdacht auf, dass dieses Geld „Schweigegeld“ im Bezug auf die neue Düngeverordnung sein sollte. Auch gab es Vermutungen, dass es genutzt werden sollte, um die Demonstrationen zu stoppen (Welche Rechtfertigung hätten weitere Demos, nach dem die Landwirte 1 Milliarde erhalten haben!?)

Daraufhin waren viele Politiker, gerade aus der CDU, sehr empört und haben die Reaktion der Landwirte nicht verstanden. Es wurde uns sogar vorgeworfen, die Ablehnung dieses Geldes zeige, dass wir intellektuell nicht ganz auf der Höhe sein (diese Aussage hat mich übrigens dazu gebracht diesen Artikel zu schreiben).

Wo liegt das Problem?

Das Problem bei der ganzen Geschichte ist nicht die Milliarde an sich. Wir stehen vor vielen Veränderungen und Herausforderungen und können grundsätzlich jede zusätzliche Unterstützung gebrauchen. Doch die Art der Kommunikation der letzten Monate zeigt mir, dass viele Politiker aus der aktuellen Regierung in Ihrer Filterblase sitzen und gar nicht wirklich mitbekommen was los ist. Vieles wirkt von oben herab!

Fehlende Ehrlichkeit

Gerade im Bezug auf die Düngeverordnung wäre mehr Ehrlichkeit sehr hilfreich gewesen. Mir ist klar, dass Vieles verschleppt und aufgehalten wurde (auch vom eigenen Berufsstand) und wir jetzt handeln müssen. Wäre Frau Klöckner (Sie ist nun mal Ministerin des BMEL) auf uns zugegangen, hätte sie Fehler der Vergangenheit eingeräumt (für die sie ja nicht wirklich was kann, aber Ihre Partei), hätte uns um einen Schulterschluss gebeten, damit wir einen gemeinsame Lösung erarbeiten und zugesagt, dass die Landwirtschaft bei den Herausforderungen von der Politik unterstützt wird—ich wäre den Weg voll mitgegangen.

Doch stattdessen werden Fragen nicht beantwortet, die Schuldfrage wird zwischen Ministerien, Bund und Ländern, der EU und sonst noch wem immer hin und her gespielt. Keiner ist dafür verantwortlich und immer sind die Anderen schuld. So geht es nicht.

Schlechte Kommunikation

Die Sorgen der Landwirte werden nicht ernst genommen, die Demos als Fanclub bezeichnet, Ideen und Lösungsvorschläge von uns werden weggelächelt (stattdessen wird nur über Digitalisierung gesprochen). Ich bekomme das Gefühl, dass mir nicht wirklich zugehört wird. Und die Krönung des ganzen war dann die Bauernmilliarde. Allein dieser Ausdruck….. Wie kann man nur denken, dass so etwas gut ankommt!?

Man kann es nicht beschönigen. Die Kommunikation zwischen den Landwirten und den verantwortlichen Politikern klappt zur Zeit nicht. Wir werden zwar zu Veranstaltungen und Treffen eingeladen, aber wirklich zuhören und entsprechend handeln will keiner.

Die aktuelle Entwicklung bei der Düngeverordnug macht dies deutlich. Für die Entscheidungsträger stehen die nächsten Schritte scheinbar schon fest. Die nach Brüssel gesendete neue Düngeverordnung enthält ein Detail, das bisher nirgends aufgetaucht ist und auch nicht diskutiert wurde. Das ist weder aufrichtig noch anständig

Wenn es die Verantwortlichen nicht endlich schaffen ehrlich und auf Augenhöhe mit uns zu sprechen, brauchen sie sich nicht wundern, wenn die Ablehnung und der Ärger immer größer werden.

Schöne Grüße

Euer Ackerbauer Phillip Krainbring

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