GLYPHOSATVERBOT, VERSCHÄRFUNG DER DÜNGEVERORDNUNG, TIERWOHLKENNZEICHNUNG EINFÜHREN, AGRARSUBVENTIONEN ANDERS VERTEILEN

Sauberes Grundwasser, niedrige Nitratbelastung, unsere Umwelt schützen, den Boden als Grundlage wertschätzen, Vögel und Insekten ausreichend Lebensraum bieten, absolute Transparenz auf der Lebensmittelverpackung, Sicherung der Lebensmittelproduktion im eigenen Land. 

Ja genau das wollen wir (Annika und Phillip).
Das fordern wir und dazu tragen wir gerne bei!
So wie die allermeisten oder wer von euch will das nicht?
Alles steht aktuell in Verbindung mit dem Agrarpaket. Doch die oben geschriebenen Forderungen, ich nenn es mal Grundlagen danach leben und arbeiten wir nicht erst seitdem das Agrarpaket vorgestellt wurde!

Doch was macht den Unterschied, die Herleitung, auf der diese Forderungen erfüllt werden sollen. Die Landwirtschaft ist ein großer Teil dieser Forderung. Landwirtschaft wird von Landwirten betrieben. Ich, Annika, habe die Ausbildung zur Landwirtin erst kürzlich, vor 3 Jahren absolviert. Der fachliche Input ist enorm, Tierwirt Schwein, Tierwirt Kuh, Tierwirt Geflügel, Pflanzenbauer, Bodenkundler, Vermarkter. Hört sich an wie einzelne Ausbildungen ist aber gesamt Ausbildungsinhalt in der Ausbildung zum Landwirten/ zur Landwirtin. Die erste Grundlage aller Handlungen ist immer nach „guter fachlicher Praxis“. Ein Grundsatz nach dem in der Landwirtschaft Entscheidungen getroffen werden. Und die fachliche Praxis wird in der Ausbildung erlernt.  Als Gute fachliche Praxis bezeichnet man in der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft die Einhaltung bestimmter Maßnahmen und Strategien, die den Grundsätzen des Tier- und Umweltschutzes entsprechen. Danach umfasst die Gute fachliche Praxis Maßnahmen, „die in der Wissenschaft als gesichert gelten, aufgrund praktischer Erfahrungen als geeignet, angemessen und notwendig anerkannt sind, von der amtlichen Beratung empfohlen werden und den sachkundigen Anwender bekannt sind“. (bmel.de) Mit den aktuellen Entscheidungen bzw. den Rahmenbedingungen, die die Politik vorgibt, werden Entscheidungen nach guter fachlicher Praxis enthauptet und Befehle erlegt, die die aktuelle Vielfalt in der Landwirtschaft zum erliegen bringt. Phillip als praktischer Landwirt wird da einige Beispiele aus dem Alltag anbringen können. Soviel erstmal von mir, liebe Grüße an dieser Stelle. (Annika)

Ein paar Gedanken und ein Rückblick auf die Demo in Berlin.

Am 26.10.2019 habe ich mich auf den Weg nach Berlin gemacht, um zusammen mit meinen Berufskollegen gegen die aktuelle Agrarpolitik zu demonstrieren. Schon am Vorabend und in der Nacht stand mein Handy nicht mehr still. Statusmeldungen und Bilder über die Konvois machten die Runde. Ich muss ehrlich sagen, dass ich bei einigen Bildern schon etwas Gänsehaut bekommen habe. Morgens bin ich dann mit der Bahn in die Hauptstadt. Angekommen am Hauptbahnhof ging ich zu Fuß Richtung Brandenburger Tor. Es lag irgendwas Besonderes in der Luft und als ich die ersten Hupen der Trecker gehört habe, war klar, dass heute ein besonderer Tag wird. Ich war beeindruckt und überwältig von den vielen Landwirte, die sich mit ihren Treckern auf den Weg nach Berlin gemacht haben. Insgesamt haben es 8900 Stück in die Stadt geschafft und 40000 Menschen haben sich vor dem Brandenburger Tor versammelt. 

Bildquelle: LSV (LandSchafftVerbindung)

Warum gab es diese große Demo?

Man könnte jetzt eine lange Liste hier reinstellen, da die konkreten Forderungen gerade an die Politik doch sehr umfangreich sind. Themen wir Nitratbelastung, Insektensterben und Agrarpaket waren oft zu lesen und hören. Doch im Kern geht es um ein paar wenige zentrale Themen, die uns umtreiben.

  1. Gemeinsam an Lösungen arbeiten: Politisch und gesellschaftlich werden uns Landwirten gerade viele Forderungen und Gesetze übergestülpt. In der Fläche müssen wir diese umsetzen und deshalb ist es wichtig, dass wir mit an den Gesetzen mitarbeiten um nachhaltige Lösungen zu finden. Nachhaltigkeit bezieht sich für uns auf ökologische, ökonomische und soziale Aspekte.
  2. Mehr Sachlichkeit, Ehrlichkeit und wissenschaftliche Grundlagen bei den Entscheidungen. Wir bekommen immer mehr den Eindruck, dass Entscheidungsträger von Gefühlen und Stimmungen geleitet werden. Die Stimmung bzw. die Gruppen, die am lautesten sind, tragen maßgeblich zur Entscheidung bei. Auch wird viel mit Angst gearbeitet um Entscheidungen herbeizurufen. Wir müssen zurück zur sachlichen Entscheidungsfindung.
  3. In den Medien, in politischen und gesellschaftlichen Diskussionen wird oft die Landwirtschaft als alleiniger Schuldiger für Insektensterben, Nitratbelastung und andere Probleme verantwortlich gemacht. Wir sind auf jeden Fall teil dieser Probleme aber nicht alleiniger Schuldiger.
  4. Das sogenannte „Bauernbashing“: Viele Landwirte haben es schon erleben müssen, dass sie Aufgrund Ihrer Arbeit Angriffe erleben müssen (bis hin zu Mordrohungen). Wir verlangen auch hier eine sachlichere Kommunikation. Auch bei diesem Punkt haben Medien und Politik eine sehr große Verantwortung und sollten Ihre Wortwahl teilweise überdenken. Kritik immer gerne aber in einem vernünftigen Ton.

Nach der Demo ist vor der Demo.

Wir Landwirte haben sehr deutlich gesagt, dass wir für Umweltschutz, Insektenschutz, mehr Tierwohl und Klimaschutz sind. Jetzt gilt es aber auch diese Aussagen mit klaren Vorschlägen zu füllen. Es darf jetzt nicht bei lauten Schlagwörtern stehen bleiben, sondern müssen Ideen bringen und Zukunftsvisionen aufzeigen.

Die Politik ist jetzt ebenso in der Pflicht. Es geht darum wieder sachlicher zu arbeiten und die Sorgen ernst zu nehmen. Und das bezieht sich nicht nur auf die Landwirtschaft. Der ländliche Raum fühlt sich nicht mehr wahr und ernst genommen. Viele Entscheidungen in Berlin führen dazu, dass der ländliche Raum wirtschaftlich gegen die Wand fährt und gerade kleine und mittelständische Unternehmen echte Schwierigkeiten bekommen (Das Gesetz für eine Kassenbonpflicht ist hier wirklich sinnbildlich). Ich sehe dies aber als eine wirklich große Chance wieder enger zusammenzurücken. Stellt sich die Frage, ob dies auch gewollt ist.

Doch auch unsere Interessenvertretung muss sich Gedanken machen und diese Situation als Chance für eine Neuausrichtung sehen. Der Bruch zwischen den Landwirten und dem Deutschen Bauernverband ist größer als viele vielleicht meinen. (Dies wurde an den Reaktionen deutlich als Eberhard Hartel auf die Bühne kam). Bevor viele dies wieder in den falschen Hals bekommen. Ich meine nicht die vielen Kreisverbände oder zum Teil auch Landesverbände mit den vielen tollen engagierten Menschen. Ich schätze die Arbeit dort sehr und habe aller größten Respekt dem Einsatz.

Doch der Deutsche Bauernverband trägt seinen Anteil daran, dass jetzt so viele Veränderungen auf mal auf uns zukommen. Es war und ist oft das Ziel an dem Alten festzuhalten. Meiner Meinung nach ist jetzt der richtige Zeitpunkt Struktur und Strategie zu überdenken.

Schöne Grüße Annika und Phillip

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