Hybridpflanzen

Moin moin Leute,

so langsam rückt der Herbst in greifbare Nähe und somit für uns auch die Aussaat (was wir oft als Drillen bezeichnen) des Getreides. Für mich ein Anlass, um euch von einer kleinen Reise zu berichten, die ich kurz vor der Ernte antreten durfte.

Ende Juni hat die Saaten Union auf eine kurze Reise nach Frankreich eingeladen.  Im Flugzeug habe ich doch häufig meine Probleme mit dem Platzangebot besonders im Fuß-und Beinbereich. Doch das ist eine ganz andere Geschichte Von Berlin bis nach Paris muss ich es im Sitz ja zum Glück nicht allzu lange aushalten. 

In Frankreich wurde uns das Zuchtprogramm für Hybridgetreide vorgestellt. Für mich immer wieder spannend zu sehen, wie viel Zeit und Arbeit es kostet neue Sorten zu züchten.

Was bedeutet eigentlich Hybrid bzw Hybridgetreide?

Ein Fakt vorweg: Hybridzüchtung hat nichts mit Gentechnik zu tun.

Die Hybridzüchtung ist eine Form der Kreuzung. Hierbei geht es darum, zwei Linien zu kreuzen, die genetisch möglichst unterschiedlich sind. Jede Linie für sich ist nahezu reinerbig. Vielleicht hilft ein Beispiel dies zu erklären.

Linie 1: sehr kleine Pflanze, die sehr krankheitsanfällig ist. (Kreuzt man nur die Linie untereinander entstehen immer wieder sehr kleine Pflanzen mit hoher Anfälligkeit.)

Linie 2: sehr große Pflanzen mit geringer Ertragsfähigkeit. (Kreuzt man nur die Linie untereinander ergeben sich sehr große Pflanzen mit geringem Ertrag.)

Kreuzt man nun diese sogenannten Inzuchtlinien miteinander, sind die nachkommen leistungsfähiger und robuster. Dieser Effekt nennt sich Heterosis (damit kann man ja mal auf einer Party glänzen ). Das ist jetzt natürlich sehr vereinfacht dargestellt. Aber nun ist es auch genug mit der fachlichen Ausführung.

Auf der Tour wurde uns dann gezeigt welche Schritte für die Züchtung erforderlich sind. Hier will ich gar nicht zu sehr ins Detail gehen. Auf den folgenden Bildern kann man kurz zusammengefasst ein paar Schritte sehen. Von mehreren hundert Variationen schaffen es nur wenig Sorten ins Feld.

kleine Weizenpflanzen im Gewächshaus

hier stehen viele Sorten kurz vor der Sortierungen

Diese Sorten haben es nicht weiter geschafft

Ein paar wenige Sorten schaffen es in den Feldversuch

Hybridzüchtung gibt es nicht nur bei Weizen. Auch bei Roggen, Raps, Zuckerrüben Mais, Gerste und vielen Gemüsesorten findet diese Methode Anwendung. Achtet doch mal darauf, wenn Ihr Saatgut für euren Garten kauft. Sehr oft steht auf der Packung F1 Hybrid. Die Vorteile habe ich weiter oben kurz angerissen. Durch den Heterosiseffekt haben die Hybridsorten einen höheren und stabileren Ertrag.

Doch natürlich gibt es immer zwei Seiten der Medaille. Die Frucht, die aus den Hybridpflanzen entsteht (beim Weizen die Körner), können nicht mehr als Saat verwendet werden. Der Grund: Die Pflanzen, die daraus entstehen fallen im Ertrag und in der Robustheit sehr stark ab. Bedeutet, dass ich Hybridsaatgut jedes Jahr wieder neu einkaufen muss. Das bringt mich als Landwirt natürlich in eine Abhängigkeit. 

Ich muss natürlich abwägen und entscheiden, welches Saatgut ich verwende. Bei Mais, Raps und Rüben setze ich aktuell sehr stark auf Hybridsorten, da die Ertragsvorteile einfach überwiegen. Bei Weizen und Gerste verwenden wir normale Liniensorten.

Ich hoffe ich konnte euch so einen kleinen Einblick zu Hybridpflanzen geben.

Schöne Grüße

Euer Ackerbauer Phillip Krainbring

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